In der aktuellen Folge Mauerecho spricht Dennis Chiponda mit Martina Blankenfeld und Claudia Igney über Gewalt gegen Frauen in Ost und West. Claudia Igney ist Sozialwissenschaftlerin und Referentin beim Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe. Sie ist seit über 20 Jahren in der Beratung gewaltbetroffener Menschen tätig.
Martina Blankenfeld ist Zeitzeugin der sogenannten „Tripperburgen“ in der DDR und setzt sich als Aktivistin heute für die Aufklärung dieses unbekannten Kapitels der DDR-Geschichte ein. Tripperburgen waren geschlossenen Stationen in Kliniken, in denen Frauen zwangseingewiesen wurden, die nicht der sozialen Norm entsprachen. Sie galten als „Herumtreiberinnen“, „Arbeitsbummelantinnen“ oder „Asoziale“. Ihre Zwangseinweisungen wurden mit unbehandelten Geschlechtskrankheiten begründet, obwohl die meisten Frauen gesund waren. Martina Blankenfeld wurde im Alter von 15 Jahren in die Tripperburg eingewiesen. Im Podcast spricht sie ihre Erfahrungen und den langen Weg von Bevormundung zu Selbstbestimmung.
Außerdem geht es um Formen struktureller Gewalt in Westdeutschland. Dort habe das konservative Familienbild Gewalt begünstigt, so Claudia Igney. Die Hausfrauen-Ehe sei für viele Frauen ein „Gefängnis“ gewesen. Igney berichtet über die rechtliche Lage der Frauen in der Bundesrepublik. Wie prägen Rollenbilder und Systeme noch heute die alltägliche Sicherheit von Frauen?