Ein Gefühl galt in Deutschland lange Zeit als vergessen: der ängstliche
Blick auf den Arbeitsmarkt. Seit gut einem Jahrzehnt mussten meist nicht
die Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz fürchten, viel mehr hatten die
Unternehmen große Mühe, überhaupt geeignetes Personal zu finden.
Fachkräftemangel, gar allgemeiner Arbeitskräftemangel war das Problem.
Jetzt aber scheint sich der Arbeitsmarkt zu drehen.
Drei Millionen Arbeitslose, Stellenabbau in vielen Unternehmen und eine
anhaltende Wirtschaftskrise – das sind die Nachrichten, die viele
Menschen umtreiben. Gleichzeitig durchläuft der Arbeitsmarkt eine
Neuausrichtung. Berufsanfängern fällt der Einstieg schwerer, selbst
Hochqualifizierte müssen momentan länger neue Stellen suchen. Die
Unternehmen klagen über viel zu hohe Kosten und Sozialabgaben. Auch der
Faktor KI spielt eine immer wichtigere Rolle. Ist der deutsche
Arbeitsmarkt kaputt?
Darüber diskutieren wir in dieser neuen Folge von Ist das eine Blase?,
dem ZEIT-Wirtschaftspodcast über Geld, Macht und Gerechtigkeit.
Eingeladen haben wir dazu die Arbeitswissenschaftlerin Katharina Hölzle,
Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation
IAO in Stuttgart. Klare Worte findet die Forscherin für die Forderung
des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) nach einer Stunde
Mehrarbeit, um die Konjunktur anzukurbeln. "Was für ein Quatsch“, sagt
Hölzle, "nur weil wir alle eine Stunde mehr vor dem Computer sitzen,
heißt das nicht, dass es der deutschen Wirtschaft besser geht.“
Mit Blick auf die Debatte darum, ob die Deutschen zu wenig arbeiten,
sagt sie: "Wenn man es wirklich runterrechnet und schaut, wie es auch
mit den Überstunden aussieht, kann man nicht pauschal sagen, die
Deutschen sind faul.“ Gibt es also überhaupt zu viel Teilzeit, zu viele
Krankmeldungen, zu viel Faulheit in Deutschland? Brauchen wir eher
andere Rahmenbedingungen für die Arbeit als einfach mehr davon? Wird KI
uns wirklich Jobs wegnehmen – oder macht sie uns vielleicht so viel
produktiver, dass die hohen Lohnnebenkosten am Ende gar kein Problem
mehr sind?
Zu Gast ist außerdem die ZEIT-Wirtschaftsredakteurin Tina Groll, die
sich die Details und Zahlen des Arbeitsmarktes für uns genauer angesehen
hat und erklärt, wie schlimm die Lage wirklich ist und wo die Sorgen um
den Jobverlust am größten sind.
Ist das eine Blase? ist der Wirtschaftspodcast der ZEIT. Alle zwei
Wochen montags diskutieren die Hosts Carla Neuhaus, Jens Tönnesmann und
Zacharias Zacharakis über das, was die Welt im Innersten zusammenhält:
Geld, Macht und Gerechtigkeit.
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